Deja-vu

September 5, 2008 von Letzi

Zu Beginn meiner Teenagerzeit spielte ich sehr gern mit dem Computer, damals wars leider nur ein 286er und die Auswahl der Computerspiele war nicht so gross. Da ich ein Junge in juengeren Jahren war, bevorzugte ich Autorennen. Ja, genau: Volle Pulle rumheizen, an allen vorbei ohne Ruecksicht auf Verluste, immer in der Hoffnung erster zu werden und das naechste Level zu erreichen. Der ein oder andere kann sich dabei vielleicht an Test and Drive II erinnern. Dabei kann man durch Amerika und Europa fahren. In jedem Land sieht man typische Vertreter der Region und kann dabei schoen rumheizen und sich Verfolgungsjagden mit der Polizei liefern. Schon damals merkte ich, dass irgendetwas in dem Spiel fehlt. Als ich neulich mit Maxi im Taxi (toller Reim) sass kam mir der seit Jahren verloren gegangene Gedanke:

Das Iran-Level fehlt!!!

Es wuerde ungefaehr so aussehen: Als Hintergrundmusik wuerde wahrscheinlich iranische Volksmusik oder aber moderne Musik von vor zehn Jahren laufen, wie z.B. von der Loveparade 1995. Bevor die Fahrt losgeht, waere der erste Teil des Level damit bestueckt, mit den Mitfahrern ueber den Preis zu verhandeln. Dann ginge es los. Leider wuerde nicht ein einziges mal die Polizeisirene erklingen, auch wenn diese ueberall rumsteht. Als Ziel gelte es, den Hyundai-Kleinwagen mit ca. 60 PS schnellstmoeglich durch den Stadtverkehr von Theheran zu geleiten, ohne sich dabei eine Beule einzufangen. Extrapunkte gebe es fuer eine Tasse Tee wahrend der Fahrt eingiessen und austrinken und das ganze auf eine Strasse, wo fuenf Autos nebeneinander fahren (selbst gesehen). Je dichter auf das vorausfahrende Fahrzeug aufgefahren wird, desto hoeher waere die Belohnung. Wer seine Multitaskingfaehigkeit unter Beweis stellen moechte, kann waehrend der Fahrt mit dem Auto links neben einem und dem Beifahrer rechts gleichzeitig sprechen und dabei den richtigen Song auf der Cd suchen und, ach ja, dabei fahren. Ich hoffe der Entwickler dieses Spieles liest diese Zeilen und entschliesst sich zu einer Neuauflage.

Das war jedoch nicht das einzige Deja-vu der letzten Tage: Eben wieder in diesem Taxi hatte ich eins der ganz anderen Sorte. Es ging wieder um Computerspiele. Wenn man sich die Fussgaenger ansieht, die versuchen, dem Auto auszuweichen, um dabei ueber die Strasse zu gelangen, kommen einem unwiderruflich Gedanken an EgoShooter wie Doom, Quake und Wolfenstein.

Schoene Gruesse!

Salam(i) aus Isfahan!

September 1, 2008 von libriana

Salam(i) aus Isfahan!
Diesen Post gibt es nur ueber Umwege, da wir uns beide nicht in WordPress einloggen koennen.
Komischerweise funktioniert das in der Public Library von Isfahan nicht, wahrend man problemlos „sexy“ Videos und Fotos auf YouTube und FlickR schauen kann, was andernorts nicht moeglich ist.

Ansonsten ist die Bibliothek ein auffallend nettes Gebaeude (siehe Fotos bei FlickR) mit einer (leider) verspiegelten Glasfassade und einem kleinen Wasserbecken persischer Art im Innenhof.
Eigentlich ist der Internetzugang wohl fuer Frauen und Maenner getrennt, aber fuer uns gibts eine Ausnahme und wir werden mit neugierigen Blicken empfangen.

Besonders ich mit meinem weissen Schal (anders laesst sich das in der Sonne einfach nicht ertragen) und eher weiten Klamotten, die mich nach Aussage meiner netten maennlichen Begleitung aussehen
laesst wie als stecke ich in einem Raumanzug… Okay, es ist was dran (ich mag aber einfach keinen „Manto“, einen knielangen und langaermeligen Mantel, extra kaufen, den ich wohl demnaechst nicht mehr anziehe) und ich bin ganz sicher nicht so schick gekleidet wie fast ausnahmenslos alle Iranerinnen (soweit man das unter dem weit verbreiteten Tschador erahnen kann).

Touristen sind hier nur sehr wenige und so werde ich stets eines schiefen Blickes gewuerdigt, mal freundlich, mal misstrauisch, manchmal mitleidig, manchmal belustigt. Auf der Strasse sind die Leute relativ zurueckhaltend, kommt man aber ins Gespraech haben wir uns viel zu erzaehlen. Heute haben wir uns wieder mit Omid, der in Isfahan aufgewachsen ist, getroffen und sind in einer – ich konnte es nach Teheran kaum fassen – sauberen und gruenen Stadt im Iran getroffen.
Auch kann man hier frei atmen und von 7 bis ca. 10 Uhr von frischer Luft sprechen. Nach einem langen Spaziergang am Fluss Zayanderud, und dessen schoene alte Bruecken gelaufen und haben anschliessend das armenische Viertel Jolfa und die Vank-Kirche besucht.

Dann nahte die unertraegliche (besonders fuer Astronautenkleidung) Mittagshitze und wir verzogen uns in den Bazar der Stadt, wo wir das persische Handwerk aus der Naehe betrachtet haben (Teppiche, Porzellan, Schmuck, Kupferfiguren etc.)

Dort haben wir ausserdem Omids Vater und Cousin kennengelernt, die beide im Teppichgeschaeft sind. Von seinem Cousin Rouhollah sind wir zum Mittagessen in ein luftiges Appartment eingeladen von dessen Terasse man bis vor kurzem, d.h. bis der Bau eines weiteren Hauses fertiggestellt war) einen tollen Blick auf den Fluss hatte. Rouhollah und Omid haben uns den iranischen Humor naehergebracht sowie gezeigt, warum augenscheinlich jeder Iraner und jede Iranerin an ihrem Handy kleben: Es werden SMS getauscht, die sowohl Witze enthalten als auch Sprueche, die nicht allein dem Englisch-Lernen, sondern auch der besserenVerstaendigung zwischen Mann und Frau in Form von Liebesbotschaften dienen.
Fuer den weiteren kulturellen Austausch bekamen wir eine Kostprobe des traditionellen Instruments Ne.

Wedding-Highway

September 1, 2008 von Letzi

Wie im letzten Eintrag beschrieben gab es viele feiernde Perser auf der Strasse eine Hochzeitsgesellschaft habe ich mit der Kamera erwischt. Im Iran funtioniert Flickr leider nicht, somit laden wir Multimedia nun hier im Blog hoch. Viel Spass beim Video!

Motashakeram Ali!!!!

August 31, 2008 von Letzi

Ich denke es macht Sinn Webspace dafuer zu verwenden Ali und seiner Familie Danke zu sagen. Wir wurden die letzten tage so gut behandelt haben tiefblickende Eindruecke von Theran und dem Norden bekommen, die einem normalen Traveller fast unmoeglich sind. Die einzige Gegenleistung die wir erbringen konnten, waren deutsche Vokabeln (zuletzt Schwein, Sau und Ferkel fuer alle Klassen von Verkehrsteilnehmern). Da wir soviel gegessen haben (mussten) kommt es Alis Familie sicherlich gelegen dass demnaechst Ramadan isst. In diesem Sinne> Nochmals tausendfach MERCI und Gruesse an dein Schaetzchen und die Zwerge von den Weicheiern!

Take a deep breath

August 31, 2008 von Letzi

Bei genauerer Betrachtung des Tehraner Stadtverkehrs ist mir die Helmpflicht aufgefallen, die sehr unterschiedlich beachtet wird. Zum einen gibt es Leute die komplett auf den besagten Helm verzichten, das sind die von der harten Sorte. Weiterhin gibt es die Cleveren, die den Helm nur am Moped baumeln lassen, wer sagt auch schon das Helmpflicht heisst, diesen auch auf dem Kopf zu tragen. Zur letzten Sorte gehoeren die Weicheier die ihn dann wirklich tragen, diese sind jedoch deutlich in der Unterzahl.  Vor der Helmpflicht wuerde ich gerade fuer Mopedfahrer die Mundschutzpflicht empfehlen, da die Tehraner Luft diesen  wirklich notwendig macht.

Ein wenig besser ist die Luft in Isfahan wo wir uns gerade befinden. Hierbei soll es sich um die schoenste Stadt des Iran handeln, ob dem so ist werden wir morgen frueh um sieben untersuchen, denn dann wird uns Omid durch seine Heimatstadt fuehren.

auf die Schnelle…

August 30, 2008 von Letzi
Dallas, Alis Dorf

Dalasm, Alis Dorf

… ein paar Gruesse. Wir haben ja eine Weile nichts von uns hoeren lassen. Gerade sind wir bei unserem unheimlich gastfreundlichen Gastgeber Ali in dessen Universitaet. Ali sitzt grad neben mir und verteilt Scheine an seine Studenten und ich versuche nun in aller Kuerze die letzte Tage fuer euch aufzubereiten. Also: Von Van aus gings mit dem Bus durchs raue Kurdistan relativ dicht am Irak vorbei in Richtung Iran. Die Berge waren wunderschoen, an den Starssenseiten sind auch ein paar Autos abgestuerzt, dennoch ist unser Bus sehr gut bis zu den ueberdimensionalen Bildern von Khomeini und Khameni gefahren. An diesen Bildern wartete naemlich Tee auf uns: Die iranischen Grenzer schenkten uns erstmal Tee ein, quasi als Begruessung. Maxi bekam aufmunternde Worte zu ihrem Kopftuch und schwupp hiess es „Salam Iranische Republik“. Wir entschieden uns mit dem Bus ueber Nacht bis Theran zu fahren und verabschiedeten uns dort von unserem Guide namens Omid, der uns mit Rat und Tat zur Seite stand. Diese Aufgabe hat nun Ali uebernommen, bei dem wir uebernachten und der uns den Iran von einer sehr schoenen Seite gezeigt hat.

Vorgestern sind wir mit dem Auto nach Norden in das Alborzgebirge gefahren, um Ali Heimatdorf zu besuchen. Wir hatten Picknick an eine natuerlichen Quelle mit Grill und Wahnsinnsaussicht, einfach nur traumhaft. In dem Dorf namens Dalasm haben wir sehr viele verwandete und Bekannte von Alis Familie getroffen. Alles sehr nette Leute. Gestern gings zum Kaspi-See, wo es sehr heiss und schwuel war, aber trotzdem eine beeindruckende Kulisse. Besonders interessant waren die iranischen Jugendlichen, die im Auto und auf der Strasse Disko gemacht haben.  So das war die Kurzzusammenfassung, Annekdoten gibt es beim naechtsen Mal.

Van(sinns)See

August 25, 2008 von Maxi

Salam aleykum! Wir grüssen in die Welt von unserer ersten Station Van östlich vom Vansee! Momentan breiten wir uns im „Antik Internet Cafe“ aus. Im Hintergrund ruft der Imam und von oben schallt türkische Popmusik. Van ist eine nach meinem ersten Eındruck eine ziemlich chaotische Stadt (O-Ton Sebastian: Fahr erstmal nach Aleppo!). Eigentlich kann ich ueberall nur Baustellen sehen und alles wirkt halbfertig oder wird von vermeintlichen Bauplanen bedeckt, die wie riesige blaue Müllsaecke ım Wind wehen. Ansonsten gibt es Polizisten, jede Menge junger Menschen und Kids, die uns alles mögliche verkaufen wollen, so z.B. wunderbare Herrensocken oder einmal Wiegen auf einer Personenwage, die jedes dritte Kind dabei hat.
Gestern sind wir hier also gelandet nach einer echt ermüdenden Reise mıt 3 Starts und 3 Landungen (und dabei war irgendwie das Unglück in Madrid nicht aus dem Kopf zu kriegen). Gleich am Flughafen haben wir Omid kennengelernt, der ebenso wie wir versucht hat, den Taxıfahrern zu entkommen und stattdessen ein preiswerteres Dolmuş (Minibus) in die Stadt zu nehmen. Omid kommt eigentlich aus dem Iran und ist seit kurzem Doktorand in Deutschland.
Zusammen sind wir dann ins Hotel Aslan gefahren. Tja, was soll man sagen: Nicht teuer und amüsant: Z.B. sınd in unserem Zimmer an verschiedenen Ecken Ausbesserungen vorgenommen worden, die aber natürlich nicht beendet sind und nun schöne Kontraste z.B. bezüglıch der Wandfarbe ergeben… Ausserdem scheint es hier nicht üblich zu sein, Folıe von Türrahmen abzumachen, sondern fetzenweise kleben zu lassen. Nun gut, gestern war ich etwas irritıert, heute finde ich es amüsant und freue mich ansonsten über dıe vielen netten und hılfsbereiten Menschen, die uns wohlwollend ım Zıckzack durch die Stadt schıcken, wenn wır auf der Suche nach einem Dolmuş sınd, dass uns nach eınem ausgiebigen Schmaus in der berüchtigten Frühstücksmeile zur Insel Akdamar bringen soll. Der Tag begann recht diesıg, so dass
wir nur zunaechst nur wenig von der tollen Bergkulisse des Vansees sehen konnten. Auf der Insel selbst gıbt es eıne beeindruckende armenische Kirche, die über tausend Jahre alt ist und momentan restauriert wird. Gegen Mittag gab sıch dann die Sonne die Ehre und wir hatten einen tollen Blıck, der nur durch dıe Aussıcht von der Felsenburg Van Kaleşi getoppt werden konnte. Von ein paar Kıds am Haupteıngang vorbeigeschleust, haben wir den ca. 100m hohen Felsen auf ganz sıcher nicht dem offızıellen Weg bezwungen um schliesslich neben dem tollen Blıck auf dıe Stadt und den See auch
Ruınen, Befestıgungsanlagen sehen konnten. Neben dem Sadur-Turm thronte auf der Burg auch ein riesıges Stahlabbild von Atatürk, ın dem sicherlich einst Lampen ınstallıert waren, die seın Antlitz ueber der Stadt leuchten liessen.

Gleıch werden wir uns gemeinsam mit Omid ein Busticket nach Orumiyeh ım Iran kaufen, voraussıchtlicher Grenzübertritt also morgen Mittag – wobei wir nach Aussagen
einiger anderer Iran-Reisender wohl einıge Stunden Wartezeit an der Grenze einrechnen können. Ich persoenlıch freue mich besonders auf den Kopfschmuck, den ich ab Morgen tragen werde ;-)

Einıge Erste Bilder gıbts beı FlıckR (der Link ist rechts neben diesem Eintrag!).

Es geht wieder los

August 23, 2008 von Letzi

Hallo zusammen,

ihr habt Euch lange gedulden müssen bis es wieder neues gibt. Nun ist es endlich wieder soweit und ein neuer Reisebericht erscheint. Diesmal gehts noch weiter Richtung Osten.

Der Plan ist zur ostanatolischen Stadt Van zu fliegen zum größten See der Türkei dem Van Gölü. Von hier aus gehts nach ca. zwei Tagen Richtung Teheran, also in den Iran. Wie es dann weitergehen wird ist ungewiss. Fest steht nur am 16. 9. gehts von Trabzon am Schwarzen Meer nach Deutschland. Was dazwischen passieren wird nennen wir unseren Urlaub und ihr dürft daran teilhaben. Allerdings erlebt ihr nicht nur unseren Urlaub fast live mit, sondern werdet einen enormen authentischen Wissenszuwachs erfahren.

Bitte beachtet den Blogroll an der rechten Seite, auf dem Links zu den Bildern oder anderen interessanten Adressen gesetzt werden. Wir freuen uns sehr über Kommentare und zwar so sehr, dass die Person, die die meisten (qualifizierten) Kommentare schreibt mit einem landestypischen Geschenk als Gewinn belohnt wird.

Wir hoffen regelmäßig zum Schreiben zu kommen und wünschen Euch viel Spaß beim Lesen!

Eure Maxi und Sebastian